Ausgabe Nr. 9

Unser Magazin geht mit dieser Ausgabe in sein drittes Jahr. Vor zwei Jahren- ja, tatsächlich! – hast Du unsere allererste Ausgabe in den Händen gehalten, wenn Du einer der Glücklichen warst. Wir haben nur 100 Exemplare gedruckt.

In dieser Ausgabe erforschen wir den „Schatten des Schattens“. Wir werfen einen Blick auf die trashige Seite von Kinbaku. Wir alle vollen zu sehr glänzen, zu perfekt sein. Wir sprechen über die vergängliche Schönheit des Schattens, präsentieren unser Kinbaku aber oft mit Eitelkeit.

Aber – pssst – wir müssen dir ein Geheimnis verraten. Komm mal näher, hör gut zu: Wir alle versagen. Auch wir, die Autoren dieses Magazins, scheitern. Viel zu oft scheitern wir und bemühen uns, es unter den Teppich zu kehren.

In diesem Magazin sprechen wir offen über unsere eigenen Misserfolge, unsere schmutzigen Anfänge, die Fehler, die wir gemacht haben, die Dinge, die schief gelaufen sind. Wir tun dies, weil wir glauben, dass dies die wahre Schönheit dessen ist, was wir tun – die Unvollkommenheiten, die alles lebendig machen. Die Tatsache, dass wir alle menschliche Wesen sind.

Und so scheitern wir…

 

Wir zeigen nicht mit dem Finger, zumindest nicht auf andere. Wir erzählen einfach ehrlich unsere Geschichten. Und wir hoffen, dass wir sie mit etwas Humor erzählen können. Wenn überhaupt, zeigen wir mit dem Finger auf uns selbst. Wir sprechen über unsere Ängste, unsere Unsicherheiten – als Rigger und als Models.

Denn nur allzu oft laufen wir in einem Hamsterrad. Wir streben nach Perfektion, versuchen es immer, immer wieder, und können keine Zufriedenheit finden. Vielleicht, nur vielleicht, liegt das daran, dass wir die falschen Maßstäbe anlegen und etwas erreichen wollen, das nur eine Illusion ist. Das Phänomen Instagram.

Es ist die Abweichung von der Perfektion, die einen Ausgangspunkt für die Schöpfung bildet.

Und so kommt es, dass wir aus diesen Misserfolgen etwas erschaffen. Etwas Kitschiges, bewusst Unvollkommenes, Absurdes und Urkomisches.

Zum ersten Mal stellen wir einen renommierten Künstler vor, der nicht aus der Kinbaku-Szene kommt: Hans Petri hat seine eigene Sicht auf Kink, BDSM – eine Sicht, die er mit uns in einem Interview teilt.

Außerdem zeigen wir sechs Gewinnerfotos eines Telegram-Wettbewerbs mit dem Ziel, „Make Shibari Dirty Again“ – eine Sache, die wir alle von ganzem Herzen unterstützen.

Während wir an dieser Ausgabe arbeiteten, wurden die Nächte in Berlin kühl und die Blätter färbten sich gelb, orange und rot, bevor sie fielen und die Bäume kahl werden ließen. Jetzt ist die Stadt grau, neblig – kalt.